Klappentext: Meine Name ist Tayor. John Taylor. Auf meiner Visitenkarte steht "Privatdetektiv", aber eigentlich bin ich Experte im Wiederauffinden von Verlorenem. Das ist Teil meiner Gabe, meines Geburtsrechts als Kind der Nightside.
Mir ist es vor langer Zeit mit knapper Not gelungen, mit heiler Haut und einigermaßen intaktem Verstand von dort wegzukommen. Jetzt verdiene ich mein Geld auf den sonnenbeschienenen Straßen Londons.
Aber in letzter Zeit liefen die Geschäfte schlecht, also sagte ich nicht nein, als Joanna Barrett bei mir auftauchte, nach Geld roch und mich bat, ihre ausgerissene Tochter zu finden.
Dann fand ich heraus, wohin genau das Mädchen gegangen war.
Nach Nightside. Zweieinhalb Quadratmeter Hölle mitten in der Stadt, wo es immer drei Uhr morgens ist. Wo man mit Mythen spazierengehen und mit Monstern zechen kann. Wo nichts ist, wie es scheint - aber alles möglich.
Ich hatte geschworen, niemals zurückzukehren. Aber ein Kind ist in Gefahr, und eine Frau setzt auf mich. Ich habe also keine Wahl - ich kehre heim...
Erster Satz:Privatdetektive gibt es in allen Formen und Farben, aber keiner davon sieht aus wie ein Fernsehstar.
Wie war's?Obwohl die englische Originalausgabe
Something from the Nightside nicht einmal die Hälfte gekostet hätte, hat mich die geschmackvolle Aufmachung der deutschen Ausgabe, erschienen im mir vorher unbekannten Verlag Feder&Schwert, überzeugt, ausnahmsweise etwas mehr als unbedingt nötig zu investieren. Die Gestaltung ist für ein Taschenbuch sehr hochwertig, mit festem, glänzenden Einband und Seiten aus stabilem Papier. Das Layout finde ich auch sehr gelungen, vor allem im Vergleich mit der amerikanischen Edition von Ace, die leider äußerst trashig daherkommt. Es heißt zwar "don't judge a book by its cover", aber ich weiß wirklich nicht, ob ich überhaupt auf den Roman aufmerksam geworden wäre, wenn ich zuerst auf das Original gestoßen wäre. Die gut 11 Euro für das deutsche Taschenbüchlein von gerade mal 200 Seiten finde ich dann allerdings doch etwas zu großzügig bemessen, deshalb gab's diesmal nur wieder ein etwas günstigeres Mängelexemplar.
Der Roman selbst ist, wie aus dem Klappentext schon hervorgeht, eine Mischung aus Hard-Boiled-Krimi und Fantasy-Abenteuer mit einem guten Schuss Horror und spielt in London. Hauptfigur John Taylor, seines Zeichens Privatdetektiv, wird beauftragt, einen ausgerissenen Teenager wiederzufinden - leicht verdientes Geld, wie es scheint. Dummerweise hat sich das Mädchen aber in die berüchtigte Nightside verirrt, von der Normalsterbliche nichts wissen: Londons böse Zwillingsschwester, eine Stadt in der Stadt, in der es immer 3 Uhr morgens ist und man sich die geheimsten und dunkelsten Wünsche erfüllen lassen kann. Taylor, in der Nightside geboren, aufgewachsen und schließlich davor geflohen, ist die letzte Hoffnung für Joanna Barrett, die Mutter der Ausreißerin, und so willigt er zögernd ein, zurückzukehren und es erneut mit den Dämonen seiner Vergangenheit aufzunehmen.
Das Konzept einer düsteren Parallelstadt, bewohnt vom "Abschaum" unserer Welt, ist zwar längst nicht mehr neu, aber es gefällt mir immer wieder, weshalb ich mich gleich voller Begeisterung kopfüber in Simon R. Greens Nightside gestürzt habe. Leider hält die aber nicht ganz, was sie verspricht. Im Verlauf des Romans wird John Taylor zwar nicht müde, immer wieder betont geheimnisvoll auf die unaussprechlichen Schrecken der Nachtseite zu verweisen (so macht er etwa am laufenden Band Bemerkungen im Stil von "Fragen Sie besser nicht" oder "Das wollen Sie gar nicht wissen"), aber eigentlich will man als Leser ja genau das, und deshalb ging mir die Geheimniskrämerei schon nach kurzer Zeit gehörig auf die Nerven. Besagte Schrecken fand ich dann nach der ganzen Heißmacherei im Vorfeld auch leider nur mäßig erschreckend, ich hatte mir irgendwie etwas Originelleres erhofft. Außerdem fand ich Taylors übertriebene Coolness in allen Lebenslagen ... nun ja, maßlos übertrieben und klischeehaft eben, selbst für einen hard-boiled Schnüffler, und wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es Sprücheklopfer. Viel Lärm und nichts also? Schwer zu sagen.
Die dunkle Seite der Nacht hat mich zwar etwas enttäuscht, aber Greens Grundidee gefällt mir nach wie vor und stabiles Mittelfeld ist seine Story allemal. Außerdem handelt es sich hier ja auch nur um den ersten Teil einer ganzen Reihe um die Nightside und ich habe schon mehrmals gelesen, dass die Geschichte ein eher schwacher Einstieg in eine sonst gute Serie ist, deshalb (und weil ich eben ein Parallelwelten-Fetischist bin) bin ich durchaus geneigt, John Taylor noch eine Chance zu geben. Vielleicht wird Teil 2,
Ein Spiel von Licht und Schatten, mir eher zusagen. Bis dahin bin ich einfach froh, das im wahrsten Wortsinn fantastische Programm von
Feder&Schwert für mich entdeckt zu haben.
Ich vergebe
3 von 5 möglichen Punkten.
Übrigens: Feder&Schwert bringt unter anderem die deutschen Ausgaben von Charlaine Harris' Sookie-Stackhouse-Reihe heraus, die inzwischen auch als TV-Serie unter dem Namen True Blood erschienen ist. Ich habe den ersten Teil der Reihe, Dead until Dark, vor Kurzem (auf Englisch) gelesen und werde ihn demnächst hier rezensieren.