Montag, 15. Februar 2010

Neuzugang: Die Stadt der träumenden Bücher (Walter Moers)



Nachdem mir meine Schwester zum Geburtstag ein Buch geschenkt hat, das ich schon habe (Das Albtraumreich des Edward Moon von Jonathan Barnes) hat sie mir stattdessen gestern Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers mitgebracht, das schon seit Urzeiten auf meinem Wunschzettel steht. Ich freu mich!

Rezension: Die dunkle Seite der Nacht (Simon R. Green)



Klappentext:

Meine Name ist Tayor. John Taylor. Auf meiner Visitenkarte steht "Privatdetektiv", aber eigentlich bin ich Experte im Wiederauffinden von Verlorenem. Das ist Teil meiner Gabe, meines Geburtsrechts als Kind der Nightside.
Mir ist es vor langer Zeit mit knapper Not gelungen, mit heiler Haut und einigermaßen intaktem Verstand von dort wegzukommen. Jetzt verdiene ich mein Geld auf den sonnenbeschienenen Straßen Londons.
Aber in letzter Zeit liefen die Geschäfte schlecht, also sagte ich nicht nein, als Joanna Barrett bei mir auftauchte, nach Geld roch und mich bat, ihre ausgerissene Tochter zu finden.
Dann fand ich heraus, wohin genau das Mädchen gegangen war.
Nach Nightside. Zweieinhalb Quadratmeter Hölle mitten in der Stadt, wo es immer drei Uhr morgens ist. Wo man mit Mythen spazierengehen und mit Monstern zechen kann. Wo nichts ist, wie es scheint - aber alles möglich.
Ich hatte geschworen, niemals zurückzukehren. Aber ein Kind ist in Gefahr, und eine Frau setzt auf mich. Ich habe also keine Wahl - ich kehre heim...

Erster Satz:

Privatdetektive gibt es in allen Formen und Farben, aber keiner davon sieht aus wie ein Fernsehstar.

Wie war's?

Obwohl die englische Originalausgabe Something from the Nightside nicht einmal die Hälfte gekostet hätte, hat mich die geschmackvolle Aufmachung der deutschen Ausgabe, erschienen im mir vorher unbekannten Verlag Feder&Schwert, überzeugt, ausnahmsweise etwas mehr als unbedingt nötig zu investieren. Die Gestaltung ist für ein Taschenbuch sehr hochwertig, mit festem, glänzenden Einband und Seiten aus stabilem Papier. Das Layout finde ich auch sehr gelungen, vor allem im Vergleich mit der amerikanischen Edition von Ace, die leider äußerst trashig daherkommt. Es heißt zwar "don't judge a book by its cover", aber ich weiß wirklich nicht, ob ich überhaupt auf den Roman aufmerksam geworden wäre, wenn ich zuerst auf das Original gestoßen wäre. Die gut 11 Euro für das deutsche Taschenbüchlein von gerade mal 200 Seiten finde ich dann allerdings doch etwas zu großzügig bemessen, deshalb gab's diesmal nur wieder ein etwas günstigeres Mängelexemplar.
Der Roman selbst ist, wie aus dem Klappentext schon hervorgeht, eine Mischung aus Hard-Boiled-Krimi und Fantasy-Abenteuer mit einem guten Schuss Horror und spielt in London. Hauptfigur John Taylor, seines Zeichens Privatdetektiv, wird beauftragt, einen ausgerissenen Teenager wiederzufinden - leicht verdientes Geld, wie es scheint. Dummerweise hat sich das Mädchen aber in die berüchtigte Nightside verirrt, von der Normalsterbliche nichts wissen: Londons böse Zwillingsschwester, eine Stadt in der Stadt, in der es immer 3 Uhr morgens ist und man sich die geheimsten und dunkelsten Wünsche erfüllen lassen kann. Taylor, in der Nightside geboren, aufgewachsen und schließlich davor geflohen, ist die letzte Hoffnung für Joanna Barrett, die Mutter der Ausreißerin, und so willigt er zögernd ein, zurückzukehren und es erneut mit den Dämonen seiner Vergangenheit aufzunehmen.
Das Konzept einer düsteren Parallelstadt, bewohnt vom "Abschaum" unserer Welt, ist zwar längst nicht mehr neu, aber es gefällt mir immer wieder, weshalb ich mich gleich voller Begeisterung kopfüber in Simon R. Greens Nightside gestürzt habe. Leider hält die aber nicht ganz, was sie verspricht. Im Verlauf des Romans wird John Taylor zwar nicht müde, immer wieder betont geheimnisvoll auf die unaussprechlichen Schrecken der Nachtseite zu verweisen (so macht er etwa am laufenden Band Bemerkungen im Stil von "Fragen Sie besser nicht" oder "Das wollen Sie gar nicht wissen"), aber eigentlich will man als Leser ja genau das, und deshalb ging mir die Geheimniskrämerei schon nach kurzer Zeit gehörig auf die Nerven. Besagte Schrecken fand ich dann nach der ganzen Heißmacherei im Vorfeld auch leider nur mäßig erschreckend, ich hatte mir irgendwie etwas Originelleres erhofft. Außerdem fand ich Taylors übertriebene Coolness in allen Lebenslagen ... nun ja, maßlos übertrieben und klischeehaft eben, selbst für einen hard-boiled Schnüffler, und wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es Sprücheklopfer. Viel Lärm und nichts also? Schwer zu sagen. Die dunkle Seite der Nacht hat mich zwar etwas enttäuscht, aber Greens Grundidee gefällt mir nach wie vor und stabiles Mittelfeld ist seine Story allemal. Außerdem handelt es sich hier ja auch nur um den ersten Teil einer ganzen Reihe um die Nightside und ich habe schon mehrmals gelesen, dass die Geschichte ein eher schwacher Einstieg in eine sonst gute Serie ist, deshalb (und weil ich eben ein Parallelwelten-Fetischist bin) bin ich durchaus geneigt, John Taylor noch eine Chance zu geben. Vielleicht wird Teil 2, Ein Spiel von Licht und Schatten, mir eher zusagen. Bis dahin bin ich einfach froh, das im wahrsten Wortsinn fantastische Programm von Feder&Schwert für mich entdeckt zu haben.

Ich vergebe 3 von 5 möglichen Punkten.

Übrigens: Feder&Schwert bringt unter anderem die deutschen Ausgaben von Charlaine Harris' Sookie-Stackhouse-Reihe heraus, die inzwischen auch als TV-Serie unter dem Namen True Blood erschienen ist. Ich habe den ersten Teil der Reihe, Dead until Dark, vor Kurzem (auf Englisch) gelesen und werde ihn demnächst hier rezensieren.

Sonntag, 14. Februar 2010

Rezension: Felidae (Akif Pirinçci)



Klappentext:

Francis, der samtpfotige Klugscheißer, ist neu im Revier. Als er bei seinem ersten Erkundungsspaziergang auf einen grausam zugerichteten toten Artgenossen stößt, ist ihm klar, daß hier sein Intelligenzquotient gefordert ist. So rollt sich vor dem Leser mit katzenartiger Geschwindigkeit eine Geschichte von atemberaubender Spannung auf: eine Geschichte von serienmäßigen Morden und religiösen Sekten, von Computern und rolligen Katzen, von Wahnideen und Omnipotenzphantasien... Eine Tierfabel, die in einem spannenden und furiosen Finale menschlich-moralische Abgründe enthüllt.

Erster Satz:

Wenn Sie meine Geschichte tatsächlich hören wollen - und ich empfehle Ihnen eindringlich, sie zu hören -, so müssen Sie sich zunächst mit dem Gedanken vertraut machen, daß Sie keine angenehme Geschichte hören werden.

Wie war's?

Bücher über Tiere sind meistens nicht bloß Bücher über Tiere, sondern Fabeln über das Wesen des Menschen, und so verhält es sich auch mit Felidae. Das trifft nicht nur auf die Bemerkungen zu, die der neunmalkluge Stubentiger Francis und seine Artgenossen über ihre zweibeinigen "Dosenöffner" machen, sondern auch auf die tierische Gesellschaft selbst, die nur allzu oft verdächtig menschliche Züge aufweist. Francis' zynische Ansichten zu Gott und der Welt sind geistreich, oft philosophisch und stets spitzzüngig formuliert. Ich konnte mich besonders über das so treffend beschriebene Verhältnis zwischen Francis und dessen seiner Meinung nach geistig minderbemittelten (menschlichen) Lebensgefährten Gustav köstlich amüsieren. Wer selber eine Katze hält, wird sich und seine eigene kleine Plüschdiva sofort darin wiedererkennen. Das Reizvollste aber bleibt für mich die wunderbare Sprache, derer Pirinçci sich bedient. Jedes Mal, wenn er eines dieser tollen Worte benutzt, die heutzutage schon als ausgestorben gelten, geht mir mein Leserherzchen auf! Pirinçci sollte man schon allein seiner Eloquenz wegen lesen - wobei die (übrigens recht grausame) Story an sich auch keineswegs zu verachten ist. Sie zieht sich zwar streckenweise ein wenig, ist aber grundsätzlich spannend und gut aufgebaut. Kleiner Wermutstropfen: ein hinreichend aufmerksamer Leser dürfte schon nach knapp der Hälfte des Romans ahnen, wer der Mörder ist. Das tut dem Lesevergnügen jedoch im Endeffekt kaum Abbruch, da hier das Warum der springende Punkt ist. Die Auflösung ist dann zwar etwas grotesk, aber sehr einfallsreich und - Überraschung - natürlich durch und durch gesellschaftskritisch. Alles in allem also ein Buch, das zwar einige kleine Schwächen besitzt, aber dennoch absolut lesenswert ist.

(Nettes Erlebnis am Rande: ich bin während meiner letzten Zugfahrt gleich zweimal von Leuten angesprochen worden, die Felidae auch schonmal gelesen haben - Bücher verbinden eben!)

Ich vergebe 4 von 5 möglichen Punkten.

Übrigens: Es gibt auch einen auf dem Roman basierenden Zeichentrickfilm von 1994, auf den ich schon sehr gespannt bin. Zum Trailer geht es hier entlang.

Sonntag, 7. Februar 2010

Rezension: The Kite Runner (Khaled Hosseini)



Klappentext:


Twelve-year-old Amir is desperate to gain the approval of his father and resolves to win the local kite-fighting tournament, to prove that he has the makings of a man. His loyal friend Hassan promises to help him - for he always helps Amir - but this is 1970s Afghanistan and Hassan is merely a low-caste servant who is jeered at in the street, although Amir feels jealous of his natural courage and the place he holds in his father's heart. But neither of the boys could foresee what would happen to Hassan on the afternoon of the tournament, which was to shatter their lives. After the Russians invade and the family is forced to flee to America, Amir realises that one day he must return, to find the one thing that his new world cannot grant him: redemption.

Erster Satz:

I became what I am today at the age of twelve, on a frigid overcast day in the winter of 1975.

Wie war's?

Amir ist 12 Jahre alt, als er an einem Wintertag in Kabul einen Blick in eine Seitengasse wirft und etwas sieht, das ihn für den Rest seines Lebens verfolgen wird - und ihn Jahre später in Form eines Anrufs wieder einholt, der ihm das verspricht, wonach er sich seit jenem Tag immer gesehnt hat: die Aussicht auf Absolution.
Um es kurz zu machen: The Kite Runner (in Deutschland erschienen unter dem Titel Drachenläufer) ist eines der besten und schrecklichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Khaled Hosseini ist ein wahrhaft begnadeter Erzähler, dessen Debütroman sich meiner Meinung nach gleichwertig in die Reihe der wenigen, ganz großen Werke unserer Zeit einfügt. Sein im Afghanistan der 70er Jahre spielender Roman handelt von Freundschaft, Verrat und Vergebung und darüber, wie ein einziger Augenblick ein Leben für immer verändern kann. Ebenso zärtlich wie schonungslos erzählt er von einem Land, das mir, wie wohl den meisten westlichen Lesern, zunächst völlig fremd erscheinen mag, das man aber hinterher mit anderen Augen betrachten wird - oder vielmehr zum ersten Mal überhaupt betrachten wird. The Kite Runner bringt zum Lächeln, zum Weinen und zum Nachdenken; kurzum: es besitzt alles, was ein wirklich gutes Buch ausmacht, vor allem aber eine tolle Geschichte, so grausam und wundervoll wie das Leben selbst. Wen sie nicht mitten ins Herz trifft, der hat vermutlich keins. So einfach ist das.

Ich vergebe 5 von 5 möglichen Punkten.

Übrigens: Den gleichnamigen Film von Marc Forster (einem meiner Lieblingsregisseure) kann ich auch sehr empfehlen!

Montag, 1. Februar 2010

Rezension: Beat the Reaper (Josh Bazell)



Klappentext:


Dr. Peter Brown is an intern at Manhattan's worst hospital. He has a talent for medicine, a shift from hell, and a past he'd prefer to keep hidden.
Pietro Brnwa is a hit man for the mob, with a genius for violence, a well-earned fear of sharks, and an overly close relationship with the Federal Witness Protection Program.
Nicholas LoBrutto is Dr. Brown's new patient, with three months to live and a very strange idea: that Peter Brown and Pietro Brnwa might - just might - be the same person...
As goons, G-men, and death itself descend on the hospital, Dr. Brown must do whatever it takes to save his patients, himself, and his last shot at redemption. He just has to get through the next eight hours - and somehow beat the Reaper.

Erster Satz:

So I'm on my way to work and I stop to watch a pigeon fight a rat in the snow, and some fuckhead tries to mug me!

Wie war's?

Im Krankenhaus, in dem Dr. Peter Brown arbeitet, weiß niemand, dass er eigentlich Pietro Brnwa heißt, mal hauptberuflich Leute im Auftrag der Mafia umgelegt hat und jetzt unter Zeugenschutz steht. Das droht sich schlagartig zu ändern, als einer seiner alten Feinde plötzlich in einem der Krankenzimmer liegt und ihm die ehemaligen Kollegen auf den Hals hetzen will, falls er ihm nicht das Leben rettet. Dumm nur, dass er sich bereits im Endstadium einer tödlichen Krankheit befindet - und bald schon holt Peters/Pietros Vergangenheit ihn auf unangenehmste Weise ein...
Vorab sollte ich erwähnen, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe. Ich habe zunächst eine eine gewisse Aufwärmphase gebraucht, um mich an Robert Petkoffs amerikanischen Akzent zu gewöhnen, aber schließlich bin ich doch ganz gut reingekommen. Seine ironischer Tonfall trifft genau den bissigen Duktus des Romans.
Beat the Reaper ist Josh Bazells Debütroman. Bazell schreibt witzig und temporeich; sein (Anti-) Held Peter/Pietro ist amüsant und ja, irgendwie auch sympathisch, auf seine ganz eigene, kaltschnäuzige Art. Die Story wirkt wohl nicht umsonst wie für's Kino geschrieben, tatsächlich ist eine Verfilmung bereits in Planung, bei der Leonardo DiCaprio seine Finger im Spiel haben soll. Dennoch kann ich mich den größtenteils überschwänglichen Kritiken nicht vorbehaltlos anschließen. Die Vergleiche mit House, den Sopranos und Tarantino erscheinen mir doch etwas hoch gegriffen. Bazell greift für meinen Geschmack einfach zu oft zu Klischees und driftet leider allzu häufig in belanglose Vulgaritäten ab. Zudem hat mich das halbherzige Ende enttäuscht, zu abrupt und unfertig erschien es mir und ließ mich irgendwie unbefriedigt zurück. Schade. Man hätte diese Geschichte, die von ihrer Grundidee her durchaus spannend ist, wesentlich eleganter umsetzen können. Dennoch darf man ruhig auf Bazells zweites Werk gespannt sein. Ich bin es jedenfalls.

Ich vergebe 3,5 von 5 möglichen Punkten.

Übrigens: Beat the Reaper wird am 11. März unter dem Titel Schneller als der Tod in Deutschland veröffentlicht. Die Audio-Version wird von Christoph Maria Herbst (Stromberg) gelesen.